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Rot im Glasklaren Wasser

Ist es nicht einfach sich zu verlieben? So stark ist dieses Gefühl, das einen Menschen einfach überkommt. Sich fallen zu lassen und im Glauben zu sein, dass sowohl Frau, als auch Mann das Gleiche wollen. Mit der Zeit kamen die Ansprüche. Eine Frau war plötzlich nicht mehr Victoria Secret genug, geschweige denn ein Mann jemals ein Gentleman wie David Beckham. Es ging um Geld, um die Angst ersetzbar sein zu können, weil alle Reize, die ein biologisch menschliches Wesen aufnehmen konnten, vollkommen überflutet waren von Neuem. Von Besserem.

All die Jahre dachte ich, dass etwas mit mir nicht stimmt, wenn alle mir einredeten, dass mein Freund mir nicht würdig ist. Ich wäre so hoch und er so niedrig. Ich wusste nicht, was sie meinten. Das Einzige, woran ich geglaubt habe, ist an Liebe und an so wenig Verletzung wie möglich, um eine lange und schöne Zeit zu haben. Absurd war der Gedanke loszulassen, denn Kaputtes sollte man reparieren und nicht ersetzen, dachte ich. Mein Charakter formte sich durch die unzähligen Niederschläge, die ich erlitt. Ich senkte meine Ansprüche enorm, nur um mein reines Gewissen zu bewahren, eine glückliche Beziehung zu führen.

Heute ist es anders. Wenn ich liebte, entglitt mir die Kontrolle und Männer bekamen immer mehr Macht über mich. Eine ausgeglichene und gleich starke Beziehung hatte ich nie. Wo ich die sexuellen Zügel fest in der Hand hatte, rissen sie mich im Alltag in Stücke. Immer hat sich einer beider Parteien unterworfen. Ich habe nicht bemerkt, dass diese Art Beziehung, die ich führte eine völlig andere war, als man es verdient und gewollt hätte. Es passierten Fehler, die ich verzieh. Völlig treudoof wie ich war, dachte ich, er könnte sich aus Liebe zu mir bessern. Heute kann ich nur meine Gedanken wie ein ewig langes Pergament aufrufen, sie lesen und nur schmunzeln über diese Vorstellungen. Vergebens.

Ich bin ein stolzes Kind der 90er, das ohne die Digitalisierung aufgewachsen ist. Damals war es selbstverständlich rauszugehen, um Kontakte zu knüpfen. Es gab nämlich keine andere Alternative. Schnell die Inline-Skates aus dem Schuppen holen, um bei Sonnenschein bei den Nachbarn zu klingeln und gemeinsam eine Sause um die alten Linden zu drehen. Anschließend auf die Glocke vom Eismann warten, um für 20 Pfennig genüsslich eine Kugel Schokoladeneis zu essen. Ab und zu waren im Eis auch echte Schokoladenstücke drin, einfach köstlich! Wirklich viel hatten wir nicht, aber es war so viel Wert. Ein unvergessliches Erlebnis!

Unmöglich war der Gedanke stundenlang Texte austauschen zu können, denn jede „Smart Message“ kostete ein Vermögen. Wenn man eine SMS bekam, war garantiert, dass man überhaupt eine Priorität im Leben dieses Menschen gespielt hat. Mit den Online-Portalen, Flirt- und Dating Apps, den surrealen Chats und absurden Vorstellungen einer Fernbeziehung entglitt mir immer mehr der Gedanke an die altbewährten Werte zu glauben.

„Zeit, bitte verschone mich. Nimm mir nicht die Hoffnung richtig zu sein.“

Ich bin eine Dame geworden, eine richtige Dame. Ungespielt. Leibhaftig. Meine Eltern sind stolz auf mich, nicht nur weil ich erwachsen geworden bin, nein, sie wissen wer, aber auch was für eine Frau ich geworden bin!

 Autorin: Ilayda