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Augen wie die Seele

Du, du traust dich nicht.

Und ich, ich auch nicht.

Schön verschlossen also, wie die alten bunten Tagebücher mit Alibi- Schloss,

die nur daran waren,

um geheimnisvoll und verschlossen zu scheinen.

Steh jetzt also hier,

auf der anderen Seite vom Meer

und schaue in deine Tiefe.

Tief, tiefer, am tiefsten, Du.

Ich würde gern schwimmen,

aber deine Wellen würden mich verschlingen,

ich würde nie wieder aus dir auftauchen.

Da ist es also das Phänomen dessen,

an nichts zu glauben,

starr wie ein Leuchtturm in der Brandung zu stehen und zu versuchen den Überblick zu

wahren.

Doch kaum kommt der Nebel,

stehst du da.

Verzweifelt suchst du also nach etwas, woran du dich halten kannst.

Etwas was dir beweist, dass du doch stark bist,

unerschütterlich und Eisern.

Blödsinn spricht der, der behauptet, du würdest die Fassung verlieren!

aber dann,

schau ich auf.

Weil mir vom auf den bodenstarren der Nacken verzerrt

und

Ich berühre dich.

Atemlos,

vollkommen nach Luft ringend, atme ich deinen Wind.

Kühl und geborgen scheint er mir,

ich könnte nicht genug davon in meine Lunge ziehen.

Der Mensch kann an allem sterben,

aber auch an dem was er am meisten zum Leben braucht?

Eine Frage die Fragen aufwirft und fragen verwirft, weil ich sie über Bord werfe von meinem kleinen Kutter, der verklemmt versucht auf deinen Wellen zu balancieren um nicht ahnungslos und fassungslos zu sinken.

Sinken sinken sinken

Sink sink sink

Schlecht gesprochene Lautsprache des englischen Wortes ,,think.“

Denken.

Ich denke nicht, also sink ich nicht.

Nur die Annahme jetzt zu denken,

zu versuchen die Zellen zu beanspruchen um komplexe Vorgänge zwischen dir und mir, mir und uns zu analysieren wäre so sinnlos,

wie mein Leuchtturm bei Nebel.

Ich stehe nun also wackelig mit meinem Kutter,

auf deiner reißenden See und

glaube an nichts mehr.

Erschrocken darüber,

dass ich an nichts glaubte.

Es ist still in meinem Kopf.

Stand by.

Einen Moment Der angenehmen Stille.

Ich brauche Worte um zu glauben,

um zu wissen was ich meine.

Worte wie,

Versunkenheit, Vertrautheit, Verlässlichkeit, Verschlossenheit, Verborgenheit, Verliebtheit.

Aber ich will nicht sinken!

Nicht die Kontrolle verlieren über das,

was ich zwanghaft an mich angebunden habe.

Die Rettungsringe, in der Not.

Doch…

Ich genieße das Abenteuer und denke,

vollkommen verrückt und erstaunt über meinen Übermut,

Vielleicht.

Vielleicht ist es das, was du befürchtest.

Das was du nicht in dein Tagebuch hinein lässt,

das, was es dir so unmöglich macht,

in ein Tagebuch hinein gelassen zu werden.

Das was so geheimnisvoll und undurchschaubar scheint.

Dunkel tief und untragbar.

Auf deinem Kutter, verstehst du es nicht.

Selbst über Bord nicht,

denn die Rettungsringe halten dich.

Kopf über Wasser,

damit dir bloß nicht was Wasser zum Halse steigt und du dich fragst,

Was ist das was du mit mir machst.

Wozu all das, was ich nicht Fass, mit meinen Worten?

Und so lege ich alles ab.

Vollkommen schutzlos greife ich zögernd zu meinem Knall orangenen Schwimmflügel,

kurz davor, nur ganz sicherheitshalber eventuell doch nur einen mit mir zu nehmen,

aber dann,

nehme ich einen letzten tiefen Schwall deiner Meeresluft

und springe.

Umschlungen von all dem was du bist,

all dem was ich nicht beschreiben könnte,

all dem  was mich dich lieben lässt,

all dem warum es sich mehr als alles andere gelohnt hat zu springen

und zu schwimmen, ohne zu sinken,

öffne ich langsam meine Augen

und finde mich küssend wieder,

in deinen, so tief wie die See.

Gastautorin: Michelle