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Der Sprung ins kalte Wasser

Ich habe niemanden persönlich gekannt, der schon da war. Es war immer irgendwie eine mysteriöse Insel mit einer unglaublichen Vielfalt an Naturwundern.

Jedoch war jeder, dem ich von meinem Vorhaben erzählte, begeistert und meinte: „Da wollte ich schon immer mal hin!“ oder „Das steht auf meiner Bucket List!“

Nun ja, auf meiner Bucket List stand es auch schon eine Weile und ich hatte schon seit längerem wirklich vor, dieses wunderbare Land zu bereisen, für länger natürlich, um es wirklich kennen zu lernen. Die Menschen, die Kultur, die Natur und wie das alles zusammenspielt. Nach inzwischen 3 Monaten muss ich sagen, ich habe sehr viel gelernt, über das Leben, über die Leute, die Mentalität und mich selbst. Aber beim Reisen findet man ja öfter zu sich selbst… das habe ich zumindest gehört. Mein Horizont jedenfalls wurde erheblich erweitert, und dafür bin ich froh.

Und nun zum Land. Wie hat das alles begonnen? Am Anfang natürlich mit viel Vorbereitung, Reiseberichte lesen, informieren und träumen und doch wusste ich nichts wirklich mit Sicherheit oder was mich erwartet.

Natürlich kann man sich nicht auf alles vorbereiten, manchmal muss man einfach nur beginnen, das ist das wichtigste, und so begann ich.

Mein Host Daniel hat mich am Flughafen abgeholt, das war ziemlich nett und nicht selbstverständlich. Als ich den Flughafen verließ, war ich ziemlich überrascht wie warm es noch war. Es waren 14 Grad und der 27 August. Als ich Daniel traf meinte ich nur: „It’s pretty warm out here.“ Er grinste mich nur an und antwortete: „Let me guess, you expected ICE?“ Wir lachten und gingen zu dem Land Rover, mit dem wir zu einem abgeschiedenen Haus fuhren, welches für die nächsten 1.5 Monate mein Zuhause werden sollte. Land Rover sind typisch hier in Island, man sitzt höher, hat eine bessere Übersicht über die Straße und ist besser geschützt vor den Wetterbedingungen.

Hier hat jeder ein Auto wie in den USA, ohne ist man hier ziemlich verloren und Bus ist keine Option. Um Reykjavik herum kann der Bus noch ganz gut genutzt werden, aber sobald ein Ort etwas außerhalb liegt, wird es teuer. Auch kommt der Bus ein Mal in der Stunde oder noch seltener, also ist es manchmal nicht einmal möglich einen Anschluss zu bekommen. Um die Natur zu sehen, braucht man auf jeden Fall ein Auto.

Ich hatte bei dem Haus im Nirgendwo eine private Haltestelle, das heißt ich stand auf der Straße und habe gewunken, wenn der Bus kam. Mein Herz machte jedes Mal ein Salto, weil der Busfahrer mich fast immer übersah (ich war weiß Gott nicht unauffällig) dann aber doch noch anhielt. Das war sehr nett.

Die meisten mieten sich ein Auto, wenn sie herkommen, das ist normal, oder man trampt, es funktioniert ganz gut, denke ich, auch wenn es nicht mein favorite ist.

Vor dem Trip waren meine ersten Gedanken unter anderem: „Es ist Europa, es ist machbar“ und jetzt denke ich, ja alles ist vielleicht machbar. Jedoch hat Island fast nichts vom Europa, es hat eher etwas von einer weit entfernten Insel, so anders als alles, was ich bisher gesehen hatte. Am ehesten könnte man es mit Kanada vergleichen oder USA, wenn überhaupt.

Es ist wahrhaftig einzigartig und keineswegs einfach. Eigentlich ist es oft sogar sehr hart und man kämpft. Man kämpft gegen Winde (die sind hier des öfteren Level Weltuntergang( 30-40 km/h)), im Süden zumindest, wenn es Richtung Winter geht. Im Norden gibt es dann ab November Schneestürme. Der Schnee liegt dann kniehoch oder noch höher und die Straßen sind gesperrt.  Gewissermaßen ist man auf gutes Wetter angewiesen. Was ist gutes Wetter? Wenn man sich draußen bewegen kann, so finde ich.

Eines der ersten Dinge, die ich hier von einer Kollegin gehört habe: „When you let the weather stop you, then you are in the wrong country“ und das stimmt. Man lässt sich nicht vom Wetter aufhalten. Solange es irgendwie geht versuchen die Leute ihren Tätigkeiten nachzugehen und ihr Leben auch zu genießen. Ich würde auch sagen sie sind irgendwie taff und mutig, geben nicht so schnell auf, gezeichnet von der Geschichte und der Natur, abstammend von den mächtigen Wikingern.

Wikinger sind hier immer noch Thema, die Menschen sind sehr stolz auf ihre Vorfahren. Gleichzeitig sind sie auch stolz auf ihre Natur, diese gilt es zu schützen, wie ein lebendiges Wesen.

Hier wird an Mythen geglaubt, Trolle und Feen, vielleicht nicht von jedem, aber von vielen, zumindest haben die Leute Respekt vor dem Unbekannten. Ebenso schmücken diese Geschichten dieses Land, viele Berge, Gebilde, Strände haben Stories, Legenden und fürwahr manchmal fällt das Glauben leicht, einfach weil es sich so anbietet.

Auch in der Sprache hat die mystische Welt ihr Zuhause gefunden, in den Sprichwörtern zum Beispiel. „Du siehst aus wie ein Troll, der aus seinem Berg herausgekrochen ist.“ Sagt man zum Beispiel zu einem Menschen, der sich fehl am Platz fühlt, oder zu jemandem der aussieht als wäre er gerade in einer anderen Welt. (so wurde es mir erzählt)

Vieles was hier stattfindet ist geheimnisvoll und im Internet steht nicht viel darüber, es wird eher vor Ort erlebt.

Was ich noch abschließend sagen kann ist, dass die Menschen hier natürlich sehr gastfreundlich sind, nett, herzlich und stolz. Auch stolz auf ihre Sprache, sodass sie so oft es geht wieder in diese wechseln (und diese ist nicht wirklich verständlich, ist sehr schwer zu lernen, hat sehr lange, verwirrende Wörter und auch eine ungewöhnliche Aussprache). Die meisten können englisch, aber nicht alle (Verständigung mit Busfahrer manchmal durch Sprachbarriere erschwert). Sie fühlen sich einfach in ihrer Heimatsprache wohler, und es wird einfach davon ausgegangen, dass man diese spricht, bis man sich meldet: „Ehm in english please…“ und dann fühlt man sich etwas als Außenseiter, aber was soll man machen.

Ein Tipp in die Herzen der Menschen wäre von meiner Seite aus wie folgt:  Kaffee. Die Isländer lieben Kaffee und trinken ihn mehrmals am Tag, es macht einfach alles besser und wenn man weiß wo sich der Kaffee befindet, oder ihn am besten auch noch aufbrüht, dann wird man zum Helden des Tages.

Nur mal so am Rande.

Autorin: Nastja