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heigh Magazine // Sag es laut!

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funktions
raum

Im Dialog mit einem Funktionsraum
Harburg der 08.06.2018
(Studienarbeit)

Sehr geehrter Flur, ich möchte mich ihnen vorstellen. Mein Name ist Malis Pruns, geb. Gumpert. Ich studiere an der MSH, soziale Kunst. Eine Frage die Sie sich bestimmt jetzt stellen werden, wird sein, was ich von ihnen möchte oder warum ich ihnen schreibe. Gute Frage. Ich befürchte dass wird auch mir erst klar, wenn der Brief zu Ende geschrieben ist.

Drei Tage habe ich mich bei ihnen aufgehalten. Ich muss gestehen, durch ihren brand-geschützten Belag musste ich mir ein Kissen mitbringen, es wäre sonst zu kalt geworden. Um meinen Ziel nachzugehen (naja Ziel, ich befürchte das Ziel ist noch nicht ganz klar oder verändert sich Tagtäglich oder ich bin noch auf der Suche nach meinem Ziel) bin ich nicht wie sonst die Treppen schnell hoch geeilt (ich habe Angst vor Fahrstühlen), sondern bin sitzen geblieben. Ohne dass Sie es bewusst oder dafür ein Patent haben, haben Sie mir Ruhe geschenkt. Mit Ihrer Leere und Ruhe, sowie Sicherheit, Klarheit und Struktur haben Sie mir Zeit geschenkt.

Zeit spielt eine Rolle (Stoppuhr, Timer, blick auf das Handy) und ich erlebte Langeweile. Kein “Flow” oder Storm, keine Zeitlosigkeit, kein Konsum, keine Spannung nur eine lange Weile. Eine Weile mit dem Blick auf die Uhr ohne Nervös zu werden, ohne etwas schaffen zu müssen. Aus Langeweile wurde eine lange Weile.

Es gab auch stressige Momente, als ich Fotos von Ihnen machen wollte und meine persönlichen Fähigkeiten nicht ausreichten, um mit einer tollen Kamera ordentliche Fotos zu machen. Zu meiner “Künstlerischen”-Schande, muss ich gestehen, dass mir die Aufnahmen mit dem Handy besser gefielen.

So nochmal zu Ihrer Frage (oder meiner Frage), warum ich ihnen geschrieben habe.

Ich wollte mich bedanken, dass Sie mich neutral aufgenommen haben. Sie stellten keine Fragen oder Anforderungen, sondern stellen sich einfach zur Verfügung. Keine blöden Bemerkungen oder Verbesserungsvorschläge, ich durfte einfach ich sein. Danke für Ihre Urteilsfreiheit, für Ihre Funktion und Ihrer stabilen Bauart.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen und bin gespannt auf ihre Antwort oder Reaktion. Wir sehen uns wieder und verbleibe mit freundlichen Grüßen

M.P.

 

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Wie gehe ich in einen Prozess. In den Raum, schauń, riechen, hören, spüren, schmecken …. auf auf ihr Sinne, hört zu, mach den Kopf leer und lass Begegnung zu…

 

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Fotografie
Bezeichnung für das Verfahren zur Abbildung einer Wirklichkeit…
Aus dem altgriechischen zeichnen mit Licht…
In der Formulierung „einer Wirklichkeit“ steckt eine nicht Wirklichkeit drin. Fotografien zeigen nicht „die“ Wirklichkeit, sondern nur eine Wirklichkeit, doch welche? Die des Fotografen oder die des Betrachters?

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Wo fange ich an, wenn ich in einen Künstlerischen Prozess gehe:
– was interessiert mich
– wo zieht es mich hin
– was für Material begegnet mir
– was höre, rieche, schmecke, spüre, sehe ich
– welches Material zieht mich an
– welchen Qualitäten begegnen mir
– welche Sinne werden angesprochen
– was nehme ich wahr

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Interesse am Flur
Warum zieht mich ein Flur an? Ich gehe durch und frage mich:
warum ist ein Flur so leer, warum ist es hier so still, warum begegnet man sich nur flüchtig, warum hält man sich dort nicht auf.
Der Blick ist nach unten gerichtet, man befindet sich im Zwischenraum, seinem Ziel ganz nah, die Wohnung, die Arbeit, eine Freundin. Vielleicht auch ein neues Ziel, eine neue Arbeitsstelle, ein Date, eine schlechte Nachricht die überbracht werden muss.
Der Flur ist ein Fluchtweg. Brandschutzverordnungen sorgen für den Schutz. Keine brennbaren Bilder an der Wand, Kein Material der den Fluchtweg versperrt. Nackt-Kalt-Klar-Metall-Stein-nichtbrennbar.
Töne schallen von den kahlen Wänden ab und hören sich hohl an. Jeder Ton ist doppelt so laut – wir sollten flüstern.
Eine Herausforderung – ein „nichtORT“ (Funktionsraum) ist mein Material.


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Mein erster Gedanke:

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Der Raum muss verändert werden:  neu definiert, neu eingerichtet, ausgerichtet, eine neue Funktion, Bilder, Pflanzen, Möbel, Leben, Musik, Farben, Duftkerzen.

Doch der Raum sagt laut: „NEIN“

Wir brauchen Zwischenräume, „NichtORTE“, Durchgänge, Funktionen, Ruhe, Durchatmen, Stillstand, Krisen, Wege, Zeit.

Was ist passiert: ich wollte dem Raum etwas geben, doch er hat mir was gegeben:

Ruhe, Klarheit, Fokus, Schlaf (ich bin tatsächlich im Flur eingeschlafen), Abkühlung, lange Weile, Material, Bilder, sein dürfen, Neutralität, Farben, Töne, Leben, Zeit.

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