16 Oct, Wednesday
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Die magische Anziehungskraft der Dinge

Ich weiß, dass ich vieles davon bei meinem nächsten Umzug hinter mir lassen sollte. Ich bin aber kein Mensch der Dinge einfach wegwirft, wenn sie noch gut sind. Also sollte ich im besten Falle versuchen, alles in gute Hände abzugeben.

Aber es gibt drei Dinge die sind eigentlich mehr als das. Mehr als Dinge. Alte Gegenstände. Ich habe den Hang dazu. Sie sind anders. In ihnen spüre ich die Spanne der Zeit. Sie tragen Geschichte und sind Träger der Entwicklung und Erhaltung von Kultur. Sie haben eine Seele. Sie verbinden mich mit ihren Vorbesitzern und bringen mich meinen Vorfahren näher. Sie sind Zeuge neuer Verbindungen. Pflanzen. Gleichermaßen Ding und Lebewesen. Sie haben zum einen den Nutzen der Dekoration. Zum anderen Spenden sie diesen Räumen Leben, wenn sich sonst nichts bewegt. Ich gebe meinen Namen. Näna, Marley, Jacqueline. Ich spreche mit ihnen und streiche ihnen dabei über Stamm und Blätter. Sie faszinieren mein studierendes Auge. Wenn ich mir selbst nicht nahe bin, bin ich auch ihnen ferner. Sie haben ein Gedächtnis.  Sie berühren mich und geben mir Luft zum atmen. Papier. Eine weitere Sache von der ich mich schwer trennen kann. Schul- und Arbeitshefte aus der Grundschule und Ausbildung, Briefbücher und zusammengerollte Nachrichtenzettel, aus früheren Schulzeiten. Uralte Gedichte, Songtexte, Geschichten, die heutzutage von mir belächelt werden, dachte ich damals ich sei ein genialer Poet. Die Worte bleiben und machen die zerknitterten Seiten zu viel mehr. Sie sind Dokumente eines vergangenen Ich. Eine frühere Version. Puzzleteile meiner Autobiographie.

Die magische Anziehungskraft der Dinge liegt in der Ästhetik des berührt Seins.

Autorin: Baba Green