08 Dec, Sunday
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troesten

Trösten kannst du mich nicht.Mein. Dein. Bürgerliche Kategorien.‘ , sagt das Känguru von Mark-Uwe Kling. Doch Mein und Dein ist viel mehr. Es betrifft das Herz. Meines und Deines. Sie ticken anders, ticken unterschiedlich. Ich sage, es ist meins, doch aus deiner Sicht ist es deins. Der wachsenden Unruhe entspringt ein Streit. Wie kann etwas, dass deins ist, mein sein? Wir sind zwei Menschen, die ihre Leben teilen, vereinen, komprimieren. Komprimieren wollen auf eins. Doch es geht nicht. Mein ist Mein und Dein ist Dein. Manchmal. Immer wieder. Immer. Ich möchte, doch ich kann nicht. Mein Leben ist mein Leben. Meine Einschränkungen setze ich selber. Nicht du. Also, nicht nur du. Du sollst dabei sein, doch nicht ganz. Mal da, wenn ich dich brauche und sonst nur so halb. Also eigentlich nur ich. Mein eigenes Leben mit dem Stückchen dir. Ich bin nicht bereit für Kompromisse, die du forderst. Noch nicht. Niemals. Nie gewesen. Nie sein. Also werde ich nie sein. Denke ich, denn Kompromisse sind Streit, Streit, den nur einer gewinnt. Der eine siegt. Wer einknickt, verliert ein Stück seiner Selbst. Und gewinnt einen neuen Teil dazu. Doch bei uns gewinnt keiner. Es ist laut und es ist krass. Keiner kann gewinnen. Die Stärken krachen aufeinander, lassen Emotionen explodieren, lassen Farben implodieren, miteinander mischen und dann wieder nicht. Sie stoßen sich ab und bleiben zusammen.

Wir sind nicht nett. Nein, wir sind laut und wir schreien.

Wecken die ganze Nachbarschaft. Schreien. Tränen. Es endet in Tränen. Meinerseits. Oft knicke ich ein und gewinne doch. Meine Schwäche ist meine Stärke. Ich. Ich mag keinen Streit. Keinen emotionalen Streit. Für alles bin ich stark und bunt, doch bei dir knicke ich ein, beende den Streit mit meinen Tränen. Meine Schwäche ist deine Schwäche. Knicke ich, knickst du auch. Du kannst gegen mich kämpfen, immer und voller Gedankengewalt, solange ich dagegen halte mit meinem Schreien, meiner Kraft. Doch werde ich leise, bist du es auch. Die glitzernden Tränen kannst du nicht ertragen. An das Schreien, das Kratzen und das Schlagen bist du gewöhnt. An mich. Mein starkes Ich. Das Ich, das jede Flut überlebt und immer darüber steht. Sich immer wieder aufrappelt, das Krönchen verliert, das Krönchen aber nicht will und die Wunden weiter ins sich verschlossen trägt. Das kannst du ertragen und verstehen, weil du genauso bist. Doch, wenn die Wunden sich wieder öffnen, dann wandelt sich Glitzer in Schlamm. Schlamm des Herzens und des Kopfes. All der Schlamm macht dich sprachlos, schwemmt dich beinahe weg. Schwemmt dich mit mir weg. Lässt dich dennoch hilflos zurück und so sprachlos. So sprachlos als könntest du nicht weitergehen ohne mich. Ohne mein starkes Ich. Doch dann, dann kann ich wieder lachen. Lachen ohne Grund. Es reicht ein dummer Kommentar, deinerseits. Ein schiefes Grinsen durchbricht den Schlamm. Daraus wächst wieder das Monster der Stärke, mit der Maske im Gesicht. Das keift und schreit, das keine Rücksicht nimmt, das aggressiv ist, auch ohne Grund und so laut. Damit kannst du umgehen. Du kannst mich beruhigen, mich von mir wegbringen und andere vor mir retten, doch trösten, trösten kannst du mich nicht. 

Gastautorin: Bonnie